Aktuelles Juli 2014

Inklusion nach Art der Schweriner Landesregierung

Einsparungen von 3,3 Millionen € auf Kosten der schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft, siehe “Aktuelles Juni 2014″.

 

Schweriner Volkszeitung 24.07.2014 von Karin Koslik
Behinderte auf Abstellgleis

Bürgerbeauftragter hört immer mehr Klagen von Zugreisenden

Menschen mit Handicap haben auf dem Güstrower Bahnhof ihre liebe Not mit der Notdurft – zumindest nach 17 Uhr. Dann, zum Feierabend des letzten Bahnmitarbeiters, wird die behindertengerechte Bahnhofstoilette verschlossen – aus Angst vor Vandalismus.

Ein Problem von vielen, die Menschen mit Behinderung im Zusammenhang mit Bahnreisen an den Bürgerbeauftragten des Landes herangetragen haben. Matthias Crone, der zugleich auch Behindertenbeauftragter ist, hat deshalb heute den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für die Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Joachim Trettin, zu einem Gespräch eingeladen. Ganz oben auf der Liste der Probleme, die Crone ansprechen will, steht die Regionalzug-Strecke Bützow – Neubrandenburg – Ueckermünde. Im Dezember war der Betrieb dieser Strecke nach einem Notvergabeverfahren von der Ostseeland Verkehrs GmbH (Ola) auf die Deutsche Bahn übergegangen. Diese aber setzt, anders als die Ola, keine barrierefreien Wagen ein, so dass Fahrgäste mit einer Behinderung jetzt immer erst den Mobilitätsservice vorbestellen müssen, der ihnen dann in den Zug bzw. hinaus hilft. Selbst das aber klappt nicht jederzeit bzw. ist an einigen Bahnhöfen wie in Ueckermünde aufgrund der baulichen Gegebenheiten gar nicht möglich, so Crone. Für einen Übergangszeitraum hätten das auch die betroffenen Fahrgäste hingenommen. Die Bahn habe nun aber bereits signalisiert, dass sich die Lieferung barrierefreier Wagen für diese Strecke über den Dezember hinaus verzögern wird – aus Sicht des Behindertenbeauftragten ein unhaltbarer Zustand. „Mir liegt daran, dass das Bahnangebot wirklich von allen genutzt werden kann“, betont Matthias Crone. „Und mir liegt daran, dass die Bahn verlässliche Zusagen macht.“ Beim barrierefreien Umbau des Bahnhofs Neubrandenburg und des Bahnhofstunnels in Warnemünde aber seien angekündigte Umbauten immer wieder verschoben worden, in Warnemünde womöglich bis 2018.

Mehrere Eingaben an den Bürgerbeauftragten hatten die Erreichbarkeit von Bahnanlagen zum Inhalt. So gibt es in Bützow und Ludwigslust keine behindertengerechten Zugänge zu den Bahnsteigen – auch Eltern mit kleinen Kindern haben hier massive Probleme. In Kröpelin ist die Treppe zum Bahnhof kurzerhand gesperrt statt saniert worden – das bedeutet erhebliche Umwege für alle Reisenden.

Zumindest in Güstrow deutet sich mittlerweile ein Lösung an: Dem Behindertenbeirat der Stadt zufolge erwägt die Bahn, einen Toilettenneubau vor dem Bahnhof zu finanzieren. Allerdings soll dann statt der Bahn die Stadt als Betreiber fungieren – ihr obliegt dann auch der Schutz vor Vandalen.

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